

Autor: David Breuer
Mental-Experte & Leadership Coach
Letztes Update: 23.03.2025
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE:
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Dienst nach Vorschrift nimmt zu: 78 % der deutschen Arbeitnehmenden sind emotional nicht mehr mit ihrer Arbeit verbunden, was zu Produktivitätsverlusten und hohen Kosten führt.
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Schlechte Führung treibt Talente weg: Mitarbeitende kündigen in erster Linie nicht wegen des Unternehmens, sondern wegen Vorgesetzten.
- Hohe Wechselbereitschaft verstärkt die Krise: Unzufriedene Arbeitnehmende suchen gezielt nach besseren Führungskräften – nicht nur nach besseren Jobs.
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Exzellentes Leadership ist die Lösung: Unternehmen müssen in mentale, teambezogene und strategische Führungskompetenzen investieren, um sich gesund und zukunftssicher aufzustellen.
Aktuelle Studien zeichnen ein alarmierendes Bild der Arbeitsmoral in Deutschland. Laut dem Gallup Engagement Index 2024 machen 78 Prozent der Beschäftigten nur noch Dienst nach Vorschrift, ein signifikanter Anstieg gegenüber 67 Prozent im Vorjahr.1 Zudem haben über 7,3 Millionen Arbeitnehmende innerlich gekündigt, was die Dringlichkeit des Problems unterstreicht.
Das Problem ist nicht nur dringlich, sondern auch teurer. Gallup geht davon aus, dass sich die volkswirtschaftlichen Kosten in Form von Produktivitätsverlusten durch innere Kündigungen auf einen Wert zwischen 113 Milliarden und 135 Milliarden Euro belaufen.2
QUALITÄT DER FÜHRUNG ALS HAUPTURSACHE
Ein zentraler Faktor für diese Entwicklung ist die Qualität der Führung. Studien zeigen, dass mangelnde Führungsqualitäten maßgeblich zur Unzufriedenheit der Mitarbeitenden beitragen. Wer sich nicht wertgeschätzt fühlt oder unter einer Führungskraft arbeitet, die kein Vertrauen schafft, kaum kommuniziert oder ausschließlich Druck ausübt, verliert mit der Zeit jegliche Motivation.
Schlechte Führungskräfte verursachen nicht nur Frustration, sondern auch eine erhöhte Fluktuation, was Unternehmen teuer zu stehen kommt. Untersuchungen zeigen, dass die meisten Kündigungen nicht wegen des Unternehmens, sondern wegen der direkten Führungskraft erfolgen.
MITARBEITERMANGEL VERSCHÄRFT DIE SITUATION
Der zunehmende Arbeiter- und Fachkräftemangel in Deutschland verschlimmert die Problematik zusätzlich. Unternehmen kämpfen darum, qualifizierte Mitarbeitende zu halten und neue Talente zu gewinnen. Dabei wird die Rolle der Führungskräfte noch bedeutender, da sie entscheidend dafür sind, ob Mitarbeitende langfristig bleiben oder sich früh nach neuen Optionen umsehen.
Die Unzufriedenheit mit der Führung führt unter anderem zu abnehmender Einsatzbereitschaft. Dieses unkollegiale Verhalten breitet sich aus und provoziert negative Teameffekte wie den Sucker-Effekt, der in schlichten Worten bedeutet, dass keiner der Trottel sein will, der mehr als die anderen arbeitet (mehr dazu in unserem Artikel über den Sucker-Effekt).
einer dramatisch steigenden Wechselbereitschaft. Aktuelle Umfragen zeigen, dass 45 Prozent der Beschäftigten aktiv auf Jobsuche sind oder offen für neue Möglichkeiten. Dabei suchen sie nicht primär nach einem besseren Unternehmen, sondern in erster Linie nach besseren Vorgesetzten.
Doch hier liegt die Herausforderung:
• Wer bereits schlechte Führung erlebt hat, wird beim nächsten Wechsel noch kritischer sein.
• Unzufriedene und enttäuschte Arbeitnehmende haben weniger Vertrauen und mehr Skepsis für eine neue berufliche Umgebung.
• Die Gefahr besteht, dass Führungskräfte diese Zurückhaltung fehlinterpretieren – und die Schuld an den vermeintlich “unmotivierten” Neuen suchen, statt die eigenen Führungskompetenzen zu hinterfragen.
DIE GEFAHR WIEDERHOLTER ENTTÄUSCHUNGEN
Suchende Arbeitnehmer:innen haben sich mitunter bereits mehrfach von Unternehmen getrennt, weil ihr Wunsch nach guter Führung enttäuscht wurde. Sie wechseln erneut – und hoffen auf echtes Leadership. Trifft diese Erwartung auf mittelmäßige oder erneut schlechte Führung, sinkt ihre Motivation weiter. Sie geben noch weniger Energie als vorher.
Das Problem: Führungskräfte deuten dieses Verhalten oft falsch.
Sie denken, sie hätten es mit schlechten oder leistungsschwachen Mitarbeitenden zu tun. Dabei liegt die eigentliche Ursache in unzureichender Führung. Mental-, Team- und Führungskompetenzen sind nicht ausreichend ausgeprägt, um Mitarbeitende zu inspirieren, zu führen und langfristig an das Unternehmen zu binden.
DIE LÖSUNG: EXZELLENTE LEADERSHIP-SKILLS ENTWICKELN
Wer qualifizierte und engagierte Talente gewinnen und halten will, braucht kein Mittelmaß in der Führung – sondern exzellente Führungskompetenzen. Die besten Mitarbeitenden wollen ohnehin nur mit den besten Leadern arbeiten. Unternehmen sollten daher gezielt in die Entwicklung ihrer Führungskräfte investieren, insbesondere in:
✅ Mentale Kompetenzen:
Ein starkes Mindset, Selbstreflexion und der Umgang mit Druck sind essenziell, um in der heutigen Arbeitswelt erfolgreich und gesund zu führen. Bei Erfolgsupdates.de sprechen wir vom Dreiklang mentaler Kompetenzen, die exzellente Führung braucht: Mentale Gesundheit, mentale Stärke und ein Winning Mindset (Gewinnerdenken).
Führung beginnt im Kopf. Wer selbst nicht stabil und souverän ist, kann keine nachhaltige Arbeitskultur schaffen.
✅ Teamkompetenzen
Teams funktionieren nur dann reibungslos, wenn Führungskräfte Vertrauen aufbauen, Kommunikation fördern und für ein gemeinsames Ziel sorgen. Wer sich emotional sicher und wertgeschätzt fühlt, arbeitet produktiver und mit mehr Energie. Aus Wechselbereitschaft wird Bleibebereitschaft. Menschen lieben es, Teil eines großartigen Teams zu sein.
Teams brauchen Orientierung, klare Werte und Zusammenhalt. Ist Letzterer so stark wie in den weltbesten Sportteams, kann ein außergewöhnlicher Teamspirit entstehen, der Erfolg multipliziert. Teamkompetenzen sind der Zukunftsskill, um Fluktuation in Bindung zu verwandeln. Wahre Führungspersönlichkeiten sind keine Egozocker, sondern Teamplayer in Führungspositionen.
✅ Führungskompetenzen
Erfolgreiche Führung bedeutet, gesunde Selbstführung und mitarbeiterzugewandte Menschenführung. Individuelle Stärken zu erkennen und gezielt zu fördern lässt zunächst das Vertrauen, dann die Mitarbeitenden, dann das Unternehmen wachsen. Wer Mitarbeitende inspiriert, ihnen Autonomie gibt und ein motivierendes Umfeld schafft, wird langfristig leistungsstarke Teams aufbauen. Die Fluktuation sinkt. Die Produktivität steigt. Moderne mitarbeiter- und gesundheitsorientierte Führungsstile machen die Organisation zukunftssicher.
Zusätzlich sollten Unternehmen folgende Maßnahmen umsetzen:
• Gezielte Weiterbildungen für Führungskräfte zu gesunder Selbstführung, moderner Mitarbeiterführung, Motivation und psychologischer Sicherheit
• Mentorenprogramme, in denen erfahrene Leader jüngere Führungspersönlichkeiten begleiten
• Klar definierte Leadership-Standards, die Führung nicht als Titel, sondern als Verantwortung verstehen. Von Führungspostion zu Führungspersönlichkeit.
Denn eines ist sicher: Die besten Arbeitskräfte wählen heute nicht einfach eine neue Firma – sie wählen eine Führungskraft, die sie wachsen lässt.
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FAZIT: EIN EXZELLENTES LEADERSHIP-SKILLSET MACHT UNTERNEHMEN GESUND UND ZUKUNFTSSICHER
Die aktuellen Studien zeigen eine klare Entwicklung: Dienst nach Vorschrift nimmt drastisch zu, Führung ist der Hauptgrund für Kündigungen, und der Arbeitsmarkt wird von wechselwilligen Arbeits- und Fachkräften geprägt. Das betrifft fast alle Branchen und wird sie in den kommenden Jahren unter anderem wegen dem demografischen Wandel noch mehr betreffen. Unternehmen, die diese Dynamik nicht erkennen oder ignorieren, werden in den kommenden Jahren enorme Schwierigkeiten haben, leistungsfähige und motivierte Mitarbeitende zu finden – oder langfristig zu halten.
Die Lösung liegt in exzellenter Führung. Wer sich als Führungskraft oder Unternehmen weiterentwickelt und in Mental-, Team- und Führungskompetenzen investiert, wird sich im Wettbewerb um die besten Talente durchsetzen – und langfristig erfolgreich sein. Denn am Ende ist es nicht die Firma, die über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Es sind die Menschen, die sie führen.